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Anne Will und Miriam Meckel: Es ist keine Ehe

Schon letztes Jahr zum CSD in Frankfurt (siehe Foto von dpa links) war es die zentrale Forderung: Deutschland soll die Ehe öffnen. Jetzt. Und obwohl uns die SPD das im Bundestagswahlkampf auch versprochen hat und sie zusammen mit der CDU Regierungspartei wurde - ist bekanntlich nichts geschehen. Die Abstimmung dazu 2012 ist gescheitert - da waren ganz viele Sozis überhaupt nicht anwesend, unter anderem auch die ehemalige Bundesjustizministerin nicht, die ihrerzeit als Ministerin die Gleichstellung von Lesben und Schwulen entscheidend vorangetrieben hatte, jezt als Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium aber lieber Berliner Start-ups fördert.

Zwei Mal in der Folge blockierte dann Schwarz-Rot im Rechtsausschuss einen Antrag der Grünen, die Ehe für alle zu beraten.

 

In 21 Ländern können Schwule und Lesben heiraten

 

Inzwischen haben uns 21 Länder weltweit überholt, in denen die Ehe für alle endlich erlaubt ist, darunter spektakulär 2015 entschieden Irland. In Malta und Israel werden außerdem im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen anerkannt. Wenn das so weiter geht, dann legalisieren sogar die Schweiz und Österreich vor Deutschland die Ehe für alle, entsprechende Vorbereitungen laufen derzeit.

 

Nun hat die Bunte bereits am Wochenende, alle anderen Medien heute, berichtet, dass Anne Will und Miriam Meckel geheiratet haben. Heimlich am Freitag in Düsseldorf. Alle Medien sprechen von einer "Heirat" oder "Hochzeit". Einzig Spiegel Online formuliert "Sie haben Ja gesagt". Friede, Freude, Eierkuchen also. Schöne Frauen heiraten sich gegenseitig, schöne neue Lesben-Welt, was wollen die Homos eigentlich mehr?

 

Medien haben eine Verantwortung

 

Will und Meckel haben sich aber verpartnert. Sie sind eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen, 15 Jahre, nachdem sie in Deutschland eingeführt wurde, im Volksmund auch "Homo-Ehe" oder "Ehe light" genannt. Weil sie eben nicht gleichberechtigt ist zur Ehe zwischen Mann und Frau. Lauten die Medien-Schlagzeilen aber nun auf "Ehe", "Heirat" und Hochzeit", so wird suggeriert, dass ja alles in Ordnung ist und Lesben und Schwule gleichberechtigt sind. Was aber eben ja nicht so ist. Die Eingetragene Lebenspartnerschaft beinhaltet im jetzigen Stadium mehr Pflichten als Rechte und hat entscheidende Rechte eben nicht.

 

Medien, die verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen wollen, sollten also auch nicht von "heiraten" schreiben. Auch nicht, wenn Anne Wills Management selbst von einer Heirat spricht.

 

Das Private ist immer noch politisch

 

Noch besser: Das Lesben-Magazin "Straight" macht die Beiden in einem Facebook-Post zur Verpartnerung gar zu "Role Models". Bitte? Anne Will und Miriam Meckel mögen zwar inzwischen Vorbilder für junge lesbische Frauen sein:  Sie sind keine maskulinen Butches, sie sind erfolgreich in ihren Jobs, sie werden - so scheint es jedenfalls - nicht diskriminiert, sie stehen über den Dingen und leben einfach ihr Leben.

Aber Galionsfiguren einer (neuen) Lesbenbewegung oder generell innerhalb der LGBT-Szene Deutschlands sind sie sicherlich nicht. Anne Will und Miriam Meckel haben sich zwar nie richtig versteckt, aber auch nie wirklich für die Belange der Community und schon gar nicht für Gleichberechtigung eingesetzt.

 

Auch ihr ComingOut war nicht selbstgewählt und freiwillig. Es gibt keine hundertprozentigen Beweise, die gibt es in den Fällen nie, aber man munkelt, dass 2007 die Zeitung mit den vier großen Buchstaben das Paar erpresst hat: Entweder ihr gebt es jetzt selbst zu, oder wir outen euch. Es war also nur eine Wahlfreiheit in der Art, ob die B*** positiv oder negativ berichtet. Es wurde positiv. Allerdings war das auch ein Zeitpunkt, zu dem Beide schon fest im Berufsleben standen und das Bekenntnis ihnen eigentlich nicht mehr gefährlich werden konnte. Das war ihr Glück. Es gibt aber auch Fälle mit Karriereknick, zuletzt sprach Ramona Leiß davon. Mir sind noch drei andere Fälle bekannt, wo die entsprechende Zeitung genauso erpresserisch vorging, einer davon betrifft ebenfalls ein ComingOut, das die Person sich so sicherlich nicht selbst ausgesucht hätte.

 

Klar, jetzt kann man sagen, ob Verpartnerung oder Ehe und Engagement oder nicht ist Privatsache, auch von Menschen, die im Rampenlicht stehen. Genau weil das aber so ist, haben sie eine besondere Verantwortung. In Zeiten, in denen sich die ideologischen Kämpfe wieder härter zeigen, ist der alte 68er-Spruch "Das Private ist politisch" wieder aktuell. Eben weil Will und Meckel in der Öffentlichkeit stehen und annehmbare Vorbilder für junge Lesben sind, würde ich mir wünschen, dass sie auch etwas für die Community tun oder wenigstens für Gleichberechtigung sprechen. Die Leute an der Kampffront für die Ehe-Öffnung sind nicht die im Blitzlichtgewitter. Und ehemalige Vorkämpferinnen wie Hella von Sinnen (Kampagne "Ja, ich will!" / Video zusammen mit "Rosenstolz" hier) und Maren Kroymann, die ohnehin als schrill und laut oder irgendwie umbequem wahrgenommen wurden, kriegen dadurch nachträglich auch noch mal einen Tritt. Weil andere selbstverständlich das wahrnehmen, wofür sie vor 20 Jahren gekämpft haben. Und dabei dann noch als allseits gesellschaftsfähige Vorbilder gefeiert werden.

Aber das Glück sei Anne Will und Miriam Meckel natürlich gegönnt. Herzlichen Glückwunsch dennoch - vielleicht macht ihr ja dann die "Ehe für alle" auch noch mit, wenn sie kommt?

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